Die Stadt muss sich ranhalten, um ab August 2013 das Recht auf einen Betreuungsplatz sichern zu können. So viele Krippenplätze gibt's bisher, so viele sollen's werden

MÜNCHEN - In München werden derzeit so viele Kinderkrippen geplant und gebaut wie noch nie. Ab dem 1. August 2013 hat jedes Kind zwischen einem und drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. In diesem Jahr gibt die Stadt dafür 114 Millionen Euro für Neubauten aus. Bis Ende 2013 wollen die Stadt und freie Träger 4500 neue Krippenplätze anbieten. Davon baut die Stadt 1500 Plätze an 36 Orten selbst.

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Dabei wird mit zwei unterschiedlichen Zahlen gearbeitet: Der Bund verlangt Betreuungsplätze für Kinder von einem bis drei Jahren. Die Stadt aber sagt: Wir müssen vom ersten Tag an rechnen. Aufgrund der besonderen Situation der Münchner Familien geht die Stadt davon aus, dass es eine große Nachfrage für die Babys bis zu einem Jahr gibt. Umfragen haben ergeben, dass 60 Prozent der Eltern in München einen Krippenplatz wünschen – und brauchen.

So hat München aktuell 14771 Krippenplätze (davon sind 8503 bei freien Trägern). Das ist ein Versorgungsgrad von 36 Prozent für null bis drei Jahre. Für die Ein- bis Dreijährigen (die Vorgabe des Bundes) sind es 51 Prozent. Mit den 4500 neuen Plätzen werden es 70 Prozent (für die Ein- bis Dreijährigen).

Es bleibt noch viel zu bauen: Entgegen dem Bundestrend nimmt die Geburtenrate in München seit zehn Jahren ständig zu – und nicht ab. Voriges Jahr wurden in München 14714 Kinder geboren, 2010 waren es 14000. Tendenz weiter steigend. Dementsprechend braucht die Stadt nach eigenen Berechnungen nicht nur die 4500 Plätze, sondern 6800.

Es ist aber nicht so einfach, einen geeigneten Bauplatz zufinden. Oft wird gegen eine Kindertagesstätte geklagt oder es gibt gerade in den dicht bebauten alten Stadtteilen keine Grundstücke. Dadurch gibt es Stadtteile, die weiter unterversorgt bleiben. Zum Stand Juli sind das aktuell: Obergiesing (17,8 Prozent), Aubing-Lochhausen-Langwied (22,3 Prozent) oder Moosach (26,5 Prozent).

163 potenzielle Standorte für Krippen hat die Stadt in ganz München ermittelt. Das heißt aber nicht, dass sie überall auch gleich bauen kann. Davon waren am Ende 52 nicht geeignet, 19 können nur langfristig entwickelt werden, 27 werden noch abgeklärt. Übrig blieben 65, die von der Stadt, den freien Trägern oder von Eltern-Kind-Initiativen bis Ende 2013 bebaut werden können. Bei manchen gibt es allerdings ein „erhöhtes Klagerisiko“ von Nachbarn, so die Verwaltung.

Das Bauen von Krippen allein reicht nicht. Die Stadt muss auch Kindergärten und Horte schaffen. So werden in den nächsten drei Jahren 4475 Kindergartenplätze neu geschaffen und 3250 Hortplätze. Dafür wird auch zusätzliches Personal gebraucht. Die Stadt rechnet damit, bis zum Jahr 2015 rund 1480 Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen zusätzlich einstellen zu müssen.

 

 

 

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