"Verheerend" solle sie sein, die verspätet eingereichte Bilanz des TSV 1860 über das Geschäftsfjahr 2011/2012. Tatsächlich klingen die Zahlen auf dem ersten Blick erschreckend. Überraschend sind sie aber überhaupt nicht.

München - Am 30. Juni hätte der TSV 1860 die Bilanz für das Geschäftsfjahr 2011/2012 einreichen müssen. Da der damalige Geschäftsführer Robert Schäfer die Frist verstreichen ließ, wurde gegen die Löwen ein Bußgeldverfahren initiiert. Schäfers Begründung: Die Bilanz müsse von beiden Gesellschaftern genehmigt werden, wegen der Eiszeit zwischen Verein und Investor Hasan Ismaik habe sich dies jedoch lange verzögert. Schäfers Kritiker dagegen befürchteten, die Bilanz würde von Schäfer zurückgehalten, da sie "verheerend" sei.

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Nun wurde die Bilanz doch veröffentlicht - öffentlich einsehbar im "E-Bundesanzeiger".

Das Zahlenwert liest sich zunächst tatsächlich übel. Nur ein Jahr nach dem Einstieg von Investor Hasan Ismaik schloss die KGaA des TSV 1860 das Geschäftsjahr mit einem Fehlbetrag von 6,315 Millionen Euro ab. Die Schulden ("negatives Eigenkapital") betrugen zum Stichtag 5,165 Millionen Euro.

Sehr viel Geld. Überraschend sind die Zahlen aber nicht. Sogar alles andere als das. Schäfer und die Löwen waren tatsächlich immer recht offen umgegangen mit der Höhe der Darlehenssummen, die Hasan Ismaik den Löwen zur Verfügung stellte. Insgesamt investierte Ismaik seit 2011 27,7 Millionen Euro beim TSV 1860. 13 Millionen Euro zahlte Ismaik für 60 Prozent der Anteile (davon 11 Prozent nicht stimmberechtigte Anteile) und die Auszahlung der alten Darlehensgeber. Dazu gewährte Ismaik dem Klub bei der Übernahme noch ein Darlehen von 5,4 Millionen Euro zum Schulden-Abbau und Liquiditätsnachweis bei der DFL. Dieses floss in der Bilanz 2011/2012 als Schulden ein, wurde mittlerweile aber in ein Genussrecht umgewandelt und wird darum die Eigenkapitalquote für die Bilanz 2012/2013 erhöhen. Dazu kamen insgesamt noch einmal 9,3 Millionen Euro nachrangige Darlehen (die nur zurückgezahlt werden müssen, wenn die Gesellschaft Gewinn abwirft), darunter 3,5 Millionen Euro für die Saison 2012/2013. Diese Darlehen fließen in die Bilanz als Schulden ein. Nachzulesen sind die Zahlen etwa im AZ-Artikel "Der Plan B ohne Ismaik" vom 4. Januar 2013.  Die damals abgedruckten Zahlen decken sich mit den Zahlen aus der jetzt veröffentlichten Bilanz.

Das negative Eigenkapital von 5,165 Millionen Euro entspricht den aufgenommenen Darlehen abzüglich der durch andere Einnahmen gedeckten Kosten - und liegt niedriger als im Vorjahr. Die Löwen haben nun zwei Mal (Stichtag 1.12.2011 und 1.12.2012) hintereinander die negative Eigenkapitalquote reduziert. Sprich: Wie von der DFL gefordert, Schulden abgebaut.  Erst wenn die negative Eigenkapitalquote wieder steigt (das droht zum 1.12.2013, sollte kein neues Kapital gewonnen werden können), drohen Geldbußen oder gar Punktabzüge.

Für die Bilanz ist dieser Aspekt aber erstmal irrelevant. Da die Darlehen aus dem im Sommer 2012 beschlossenen und von Ismaik im Winter wieder aufgekündigtem Dreijahresplans nachrangig sind belasten sie zwar die Bilanz, bringen die Gesellschaft aber nicht in akute insolvenzgefahr. “Die Gesellschaft ist zum Stichtag 30. Juni 2012 bilanziell überschuldet, das negative Eigenkapital beläuft sich zu diesem Zeitpunkt auf auf TEUR 5.165. Eine Überschuldung im insolvenzrechtlichen Sinne liegt nach unserer Einschätzung nicht vor, da für Darlehen in Höhe von TEUR 5.915 (einschließlich Zinsen) Rangrücktritte vorliegen”, schreibt auch Schäfer in der Bilanz.

Klar ist aber auch, dass die Löwen, da die Zuschauerzahlen sinken und Sponsoring-Einnahmen rückläufig sind, kurz- und wohl auch nicht mittelfristig ohne weitere Investitionen Ismaiks nicht überleben  werden können.

Sind die Löwen gut genug für den Aufstieg? Stimmen Sie hier ab.

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