Er ist erst 14 Monate alt und kämpft schon um sein Leben: Der kleine Leukämiepatient braucht dringend eine Stammzellenspende.

Kerim sitzt in seinem Bettchen spielt mit seinem Zeh und lacht in die Kamera. In seinem Giraffenpyjama würde er aussehen wie jedes andere Kleinkind, wenn sein kleiner Körper nicht an Scläuche und Kanülen angeschlossen wäre. Kerim leidet an Leukämie – schon seit seiner Geburt. Auffällig waren zunächst nur Infektionsanfälle des Babys. Als Kerim gerade neun Monate alt war haben die Ärzte der Haunerschen Kinderklinik seinen Eltern die niederschmetternde Diagnose überbracht.


Mama und Tante: Der Krebs ist in Kerims Familie kein Unbekannter


Besonders tragisch: Erst im Februar davor hatte Kerims Papa Zeki Demiral die eigene Schwester an den Krebs verloren. Und auch die Mama von Kerim war schon an Leukämie erkrankt. Sie hatte die gleiche Krebsart wie jetzt ihr Sohn, eine Stammzellenspende ihrer Schwester hat ihr 2007 das Leben gerettet.

Jetzt ist Hatice Demiral wieder im Krankenhaus, 24 Stunden am Tag, an der Seite ihres 14 Monate alten Buben und hofft, dass auch für ihn ein Spender gefunden wird.
Dass ein an Leukämie erkranktes Kind eine Knochenmarktransplantation braucht, ist selten, erklärt Dr. Hans Knabe von der Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB). Meist können die kleinen Patienten mit einer Chemotherapie gesund gemacht werden. Bei Kerim reicht das nicht. Bei der AKB werden bereits die Spenderdatenbanken durchforstet, in der Hoffnung auf einen "genetischen Zwilling", also einen Menschen, der geeignete Stammzellen für Kerim in sich trägt und sich irgendwann mal registrieren hat lassen. "Die Hoffnung auf einen Treffer in der Spenderdatenbank ist alles was wir haben", sagt Zeki Demiral.

Mit jedem registrierten Spender steigen die Chancen des kleinen Kerim. Deswegen gibt es am kommenden Samstag eine Typisierungsaktion, bei der möglichst viele neue freiwillige Spender in die weltweite Datenbank aufgenommen werden sollen. Die Registrierung geht sehr schnell – die Mitarbeiter der AKB tragen die Daten im Computer ein, nehmen eine kleine Menge Blut wird ab und der potenzielle Spender kann wieder nach Hause gehen. Die Arbeit geht im Labor weiter.


Spender brauchen keine Angst zu haben


Nach Umfragen wären 60 Prozent der Deutschen bereit mit einer Spende zu helfen, tatsächlich registriert sind 22 Millionen. Es mag an Zeitmangel liegen oder an der eigenen Trägheit. Zum Teil gibt es Ängste – unbegründet versichert Knabe: "So gründlich wie bei einer Spende werden Sie in Ihrem ganzen Leben nicht untersucht. Auch hält sich der Glaube, dass die Stammzellen dem Rückenmark entnommen werden. Das stimmt nicht, es wird Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Alles was von einer Entnahme übrig bleibt sind zwei Einstichlöcher im Po – und die verschwinden nach ein paar Tagen."
Wer sich registrieren lässt übernimmt Verantwortung, womöglich kommt eines Tages die Chance, einem anderen Menschen das Leben zu retten. Rechtlich verpflichtet ist man aber zu nichts – die Spende ist bis zur letzten Minute auf dem OP-Tisch freiwillig. "Viele Spender empfinden diese Chance als Geschenk. In Briefen schreiben sie, dass diese Hilfsaktion für sie wie die Geburt eines Kindes war", erzählt Knabe.

Kerim ist indes in der Haunerschen Kinderklinik in Behandlung. Seit dem 28. Dezember ist er ununterbrochen hier. Sein Immunsystem ist schwach, zu groß das Risiko einer Infektion. Erst letzte Woche wurde Kerim notoperiert, er hatte sich versehentlich einen Katheter herausgerissen. Drei junge Männer sind zufällig beim Gespräch mit Zeri Demiral und der AKB dabei, spontan schenken sie Kerims Papa ein Bobbycar für den Sohn. Jetzt braucht es einen Spender, damit Kerim eines Tages kerngesund damit durch die Gegend brausen kann.


Die Typisierungsaktion für Kerim findet am Samstag, den 12. März von 11 bis 16 Uhr im IGMG Ortsverein Moosach an der Baubergerstr. 32 statt.