12 Streifenwagen plus Hubschrauber An der Uni: Münchens größte Einbrecher-Jagd

Ein Großaufgebot der Polizei sucht nach dem Einbrecher. Foto: Anna Pfister

Ein Mann steht morgens in Büro eines Professors – als dieser ihn anspricht, flüchtet er. War der Mann ein bundesweit gesuchter Serien-Einbrecher?

Lehel - In den Containern des ausgelagerten Wilhelmsgymnasiums an der Oettingenstraße geht gerade die erste Schulstunde zu Ende. Gegenüber, im LMU-Institut für Kommunikatioswissenschaft und Medienforschung, trudeln die ersten Uni-Mitarbeiter ein. Jogger traben durch den Park. – Plötzlich ist es schlagartig vorbei mit der morgendlichen Ruhe rund um den Chinesischen Turm. Zwölf Streifenwagen rasen gegen 8.40 Uhr in die Oettingenstraße, rund 70 uniformierte Polizisten umstellen das Institut, Polizeihundeführer und berittene Polizisten durchkämmen den Englischen Garten und über allem kreist ein Hubschrauber. Die Jagd nach einem mutmaßlichen Einbrecher beginnt.

Ein LMU-Professor – einer der ersten im Haus – war kurz aus seinem Büro im Erdgeschoss ins Sekretariat gegangen und hatte seine Tür offen stehen lassen. Als er zurückkommt, steht ein fremder, bulliger Mann in seinem Zimmer. Der Mann ist mittelgroß, kräftig und trägt eine olivgrünen Jacke. Seine Haare sind kurzgeschoren, er hat eine hohe Stirnglatze.

Der Professor schöpft sofort Verdacht. Bereits Mitte Dezember waren die Uni-Mitarbeiter vor einem Einbrecher und Dieb gewarnt worden, der im Verdacht steht, bundesweit sein Unwesen zu treiben. Er soll sich auf Uni-Gebäude spezialisisiert haben. Dort stehen viele Türen offen, unter vielen Studenten und Dozenten fallen Externe nicht groß auf.

Auch in dem Gebäudetrakt, in dem das Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung untergebracht ist, sind bereits Studenten bestohlen worden. Geschäftsstellenleiter Bernhard Goodwin zur AZ: „Während der Weihnachtsfeier wurde einer Studentin die Geldbörse mit 80 Euro gestohlen. Ihre Papiere wurden glücklicherweise später in einem Mülleimer gefunden.“ Auch bei den Ethnologen und den Politologen sei es kurz vor Weihnachten zu Diebstählen gekommen, weiß der Sozialdemokrat, der für den Bundestag kandidiert.

„Vollpfosten!“ nennt der Einbrecher einen Professor, der ihm folgt

Sein Kollege spricht den ungebetenen Besucher zunächst höflich an: „Kann ich Ihnen helfen?“ Daraufhin will der Eindringling das Weite suchen – doch der Professor folgt ihm noch ein Stück durchs Institut, was dem Fremden offenbar nicht behagt. „Er hat mich als ‘Vollpfosten’ beschimpft“, so der Dozent zur AZ. Der Professor alarmiert die Polizei.

Die Beamten nehmen an, dass sich der Einbrecher noch irgendwo im Gebäude aufhält und versteckt. Eine Hundertschaft durchsucht das gesamte dreistöckige Gebäude – etwa 230 Räume. Auch die Umgebung wird abgesucht. Beamte schauen sogar in Schächte nahe des Luxushotels Hilton, ob sich der mutmaßliche Einbrecher dort versteckt. Doch der Fremde ist nicht mehr auffindbar. Nach mehreren Stunden wird die Suche ergebnislos abgebrochen. Der Hubschrauber fliegt wieder davon.

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